Wer in den 1960er bis 1980er Jahren das Radio oder den Fernseher einschaltete, kam an einer Stimme kaum vorbei: Manfred Sexauer. Er war kein gewöhnlicher Moderator – er war ein Pionier, ein Entertainer mit echtem Gespür für Musik und Jugendkultur. Sein Name steht bis heute für eine goldene Ära des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks, für Kult-Sendungen wie Hallo Twen und natürlich für den unvergesslichen Musikladen. Diesen Artikel widmen wir seinem Leben, seinem Wirken und seinem bleibendem Erbe.
Zur Person: Wer war Manfred Sexauer?
Manfred Sexauer wurde am 2. August 1930 in Baden-Baden geboren und wuchs in einer Zeit auf, in der Deutschland gerade dabei war, sich kulturell neu zu erfinden. Nach seinem Abitur entschloss er sich zunächst für eine Ausbildung als Schauspieler – eine Entscheidung, die sein späteres Moderationstalent maßgeblich prägen sollte. Er sammelte Bühnenerfahrung in Baden-Baden, Freiburg und Karlsruhe, bevor ihn sein Weg schließlich ins Radio führte.
Was ihn als Person auszeichnete, war eine Kombination aus Wärme, Offenheit und einem untrüglichen Gespür für das, was junge Menschen bewegt. Diese Eigenschaften sollten ihn in seiner Karriere weit tragen – weiter als er es sich zu Beginn wohl selbst vorgestellt hatte.
Karrierebeginn beim Saarländischen Rundfunk
Der Grundstein für Manfred Sexauers bemerkenswerte Karriere wurde 1964 gelegt, als er zum Saarländischen Rundfunk wechselte. Der Zeitpunkt hätte kaum besser gewählt sein können: Zeitgleich startete am 2. Januar 1964 die Europawelle Saar, und Sexauer war von Anfang an einer der Discjockeys, die diesem neuen Radioprogramm ein Gesicht – oder besser gesagt: eine Stimme – gaben.
Vom ersten Tag an arbeitete er parallel auch als Fernsehmoderator beim Saarländischen Rundfunk. Das war für jene Zeit ungewöhnlich, denn nur wenigen gelang es, sich erfolgreich in beiden Medien zu etablieren. Sexauer gehörte zu diesen wenigen. Er brachte eine frische, jugendliche Energie mit, die beim Publikum sofort ankam und den Sender in der Region bekannt machte.
Pionierarbeit im Jugendhörfunk: „Hallo Twen” und der Kult um Beat-Musik
Wenn es eine Sendung gibt, die Manfred Sexauers Ruf als Radiorevolutionär begründete, dann ist es Hallo Twen. Ab 1965 moderierte er diese wegweisende Radiosendung auf der Europawelle Saar – eines der allerersten Formate im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, das sich konsequent auf Beat-, Rock- und Bluesmusik aus England und den USA konzentrierte.
Die Sendung erlangte schnell Kultstatus. Sie wurde nicht nur im Saarland gehört, sondern erreichte Zuhörerinnen und Zuhörer weit über die deutschen Grenzen hinaus – sogar jenseits des Eisernen Vorhangs. Menschen in Osteuropa drehten nachts heimlich ihr Radio auf, um Sexauers Stimme zu lauschen und Musik zu hören, die dort offiziell als anrüchig galt.
Sein entspannter, nahbarer Moderationsstil war für viele eine regelrechte Offenbarung. Konservative Stimmen kritisierten seine Offenheit gegenüber der modernen Jugendkultur – aber genau diese Haltung gewann ihm eine treue Fangemeinde, die ihm über Jahrzehnte treu blieb. SR-Intendant Thomas Kleist sagte nach Sexauers Tod treffend: „Mit ‚Hallo Twen’ hat er in ganz Europa und über den damaligen Eisernen Vorhang hinaus Radiogeschichte geschrieben.”
Fernsehkarriere: Der Musikladen und Uschi Nerke
Wer an Manfred Sexauer denkt, denkt unweigerlich auch an den Musikladen. Diese Fernsehsendung, produziert von Radio Bremen für das ARD-Programm, feierte am 13. Dezember 1972 ihre Premiere und wurde schnell zu einem festen Bestandteil des deutschen Kulturlebens. Über 90 Folgen moderierte Sexauer die bunte, lebendige Musikshow – und wurde dabei zu ihrem unverwechselbaren Gesicht.
Besonders unvergesslich ist die Zusammenarbeit zwischen Manfred Sexauer und Uschi Nerke. Die beiden bildeten von 1972 bis 1978 ein eingespieltes Moderationsduo, das die Zuschauer Woche für Woche begeisterte. Uschi Nerke, die bereits durch den Beat-Club bekannt war, brachte ihren ganz persönlichen Charme mit in die Sendung, während Sexauer mit ruhiger Souveränität durch die Folgen führte. Gemeinsam präsentierten Manfred Sexauer und Uschi Nerke eine beeindruckend breite Palette an Musikstilen – von Liedermachern über Jazz und Country bis hin zu Classic Rock und frühen Punk-Klängen.
Das Studio, das anfangs wie ein gemütlicher, etwas staubiger Partykeller wirkte, entwickelte sich zu einem bunten Schaufenster der internationalen Musikszene. Stars wie ABBA, Suzi Quatro, Chuck Berry und Duran Duran gaben sich dort die Klinke in die Hand. Die Atmosphäre war spontan, experimentierfreudig und alles andere als das, was man von einer deutschen Unterhaltungssendung der damaligen Zeit erwarten konnte. Der Musikladen lief schließlich bis zum 29. November 1984 – insgesamt zwölf erfolgreiche Jahre.
Spätere Radiokarriere und ARD-Engagement
Auch nach den großen Musikladen-Jahren blieb Manfred Sexauer seiner Leidenschaft fürs Radio treu. Er wirkte an bundesweiten ARD-Sendungen mit und übernahm regelmäßig die Moderation der Nachtprogramme ARD-Nachtexpress und ARD-Radiowecker – Sendungen, die ihn in ganz Deutschland hörbar machten und seinen Ruf als zuverlässige, vertraute Rundfunkstimme festigten.
Daneben entwickelte er beim Saarländischen Rundfunk weitere beliebte Formate wie Disco Top Ten und Show-Mix, mit denen er sogar mehrere Millionen Mark für die SOS-Kinderdörfer einspiele – ein Engagement, das von seinem sozialen Charakter zeugte.
Nach seinem offiziellen Abgang vom Saarländischen Rundfunk im Jahr 2007 zog Manfred Sexauer sich keineswegs aus dem Rundfunk zurück. Mit dem Musikprogramm Das bleiben Hits war er ab März 2007 auf Radio Melodie 102.7 FM in Saargemünd sowie auf RMNradio zu hören. Und 2013 kehrte er noch einmal kurzzeitig als Moderator zum Internetradiosender PopStop – Das Musikradio zurück – ein Zeichen dafür, dass die Begeisterung fürs Moderieren bis zuletzt nicht erlosch.
Musikalische Aktivitäten als Nebenprojekt
Manfred Sexauer war nicht nur hinter dem Mikrofon als Moderator aktiv – er versuchte sich auch selbst als Musikschaffender. 1980 gründete er zusammen mit Thomas Gottschalk und Frank Laufenberg die Novelty-Gruppe G.L.S.-United (die Buchstaben stehen für die Anfangsbuchstaben der Nachnamen der drei). Die Gruppe veröffentlichte die Single „Rapper’s Deutsch” – eine deutschsprachige Adaption von „Rapper’s Delight” der Sugarhill Gang, produziert von Hans Scherer und Harold Faltermeyer und erschienen auf Metronome Records.
Die Single gilt als einer der ersten deutschen Rap-Titel überhaupt und erreichte Platz 49 der offiziellen deutschen Singlecharts, wo sie vier Wochen lang vertreten war. Für drei Radiomoderatoren war das eine beachtliche Leistung – und eine, die zeigt, wie offen und spielfreudig Sexauer zeitlebens geblieben war.
Dreißig Jahre später, im Jahr 2010, wurde Sexauer nochmals musikalisch aktiv: Er kollaborierte mit der Gruppe decanto auf der Single „Nights in White Satin” – einer vokal-gesprochenen Version des Klassikers, erschienen auf Xenia Records.
Auszeichnungen und Ehrungen
Ein langes Leben im Dienst der deutschen Rundfunkkultur blieb nicht ohne Anerkennung. Im Jahr 1989 wurde Manfred Sexauer mit dem Saarländischen Verdienstorden ausgezeichnet – eine hohe regionale Ehrung für seinen Beitrag zur Medienlandschaft des Saarlandes. Elf Jahre später, im Jahr 2000, folgte das Bundesverdienstkreuz, die höchste allgemeine Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Zudem erhielt er für seinen unermüdlichen Einsatz zugunsten der SOS-Kinderdörfer die Goldene Ehrennadel.
Diese Auszeichnungen spiegelten wider, was Millionen Zuschauerinnen, Zuschauer und Hörerinnen und Hörer längst wussten: Manfred Sexauer war weit mehr als ein Unterhaltungsstar – er war eine Institution.
Manfred Sexauer Todesursache und Abschied
Am 20. Juli 2014 verstarb Manfred Sexauer im Alter von 83 Jahren in einem Krankenhaus in Saarbrücken. Was die genaue Manfred Sexauer Todesursache betrifft, wurden öffentlich keine detaillierten medizinischen Angaben gemacht – er starb eines natürlichen Todes nach einem langen, erfüllten Leben. Er wurde in Güdingen, einem Stadtteil von Saarbrücken, beigesetzt.
Die Trauer war groß. Politiker, Kollegen und Fans gedachten seiner in zahlreichen Nachrufen. Der saarländische Bundesjustizminister Heiko Maas schrieb: „Das Saarland verliert ein Aushängeschild.” Der Saarländische Rundfunk widmete ihm noch am selben Abend eine Sondersendung, in der an die goldene Ära von Hallo Twen erinnert wurde.
Bedeutung und Vermächtnis
Manfred Sexauer war einer der prägendsten Moderatoren in der Geschichte des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Er war Wegbereiter für jugendorientierte Musikformate, als es weder politisch opportun noch gesellschaftlich selbstverständlich war, Beat und Rock im öffentlichen Radio zu spielen. Über fünf Jahrzehnte lang war er aktiv in der deutschen Medienlandschaft – eine Kontinuität, die ihresgleichen sucht.
Sein Name bleibt untrennbar mit dem Musikladen und mit Hallo Twen verbunden. Aber vor allem bleibt die Erinnerung an einen Mann, der seiner Zeit voraus war – und der es nie vergaß, nah bei seinem Publikum zu bleiben.
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