Einleitung
Manche Namen öffnen Türen – manchmal sogar solche, die man gar nicht betreten möchte. Giacomo Vogel ist so ein Fall. Als Sohn von Jürgen Vogel, einem der bekanntesten Schauspieler Deutschlands, hätte er den einfachen Weg nehmen und vom Glanz seines Vaters profitieren können. Stattdessen entschied er sich für etwas ganz anderes: echte Arbeit, echte Gastfreundschaft und ein Leben, das er selbst gestaltet.
Viele fragen sich: Wie heißt der Sohn von Jürgen Vogel eigentlich, und was macht er heute? Die Antwort ist so bodenständig wie sympathisch. Giacomo Vogel ist kein Schauspieler, kein Influencer und kein Prominenten-Kind, das von Klatschspalte zu Klatschspalte wandert. Er ist Gastronom durch und durch – mit mehreren Cafés und Restaurants in Berlin und Potsdam, die er gemeinsam mit seinem Bruder Ritchie aufgebaut hat.
Dieser Artikel erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der beweist, dass ein berühmter Nachname weder Fluch noch Freifahrtschein ist – sondern einfach ein Teil von einem, den man selbst mit Leben füllen muss.
Familiärer Hintergrund
Jürgen Vogel – Der berühmte Vater
Um Giacomo Vogel zu verstehen, muss man zunächst einen Blick auf seinen Vater werfen. Jürgen Peter Vogel, geboren am 29. April 1968 in Hamburg, gilt als einer der vielseitigsten und eindrucksvollsten Charakterdarsteller im deutschsprachigen Kino. Seit den frühen 1990er Jahren hat er sich mit Filmen wie Die Welle, Keinohrhasen und Das Adlon einen festen Platz in der deutschen Filmlandschaft erarbeitet.
Was Jürgen Vogel von vielen Kollegen unterscheidet, ist seine Bereitschaft, sich vollständig in eine Rolle hineinzuwerfen – ohne Kompromisse, ohne Eitelkeit. Genau diese Haltung hat ihn groß gemacht. Gleichzeitig ist er als Vater bekannt, der trotz seines vollen Terminkalenders die Familie immer in den Mittelpunkt gestellt hat.
Die Adoption und die Patchwork-Familie
Die Geschichte von Giacomo Vogel beginnt mit einer Begegnung: Als Giacomo etwa zwei Jahre alt war, lernte seine Mutter den damals noch wenig bekannten Schauspieler Jürgen Vogel kennen. Die beiden verliebten sich, heirateten 1997 – und Jürgen Vogel adoptierte Giacomo sowie dessen älteren Bruder Ritchie. Damit wurde aus einer einfachen Begegnung eine echte Familie.
Diese Familie wuchs im Laufe der Jahre noch weiter. Jürgen Vogel ist Vater von insgesamt sechs Kindern, die er mit vier verschiedenen Frauen hat. Was nach außen kompliziert klingt, beschreibt Giacomo selbst ganz entspannt: „Wir sind eine riesige Patchworkfamilie, mit vielen Geschwistern und drei Müttern.” Kein Drama, kein Chaos – einfach ein buntes, lebendiges Miteinander, das hält, was eine Familie versprechen sollte.
Giacomo Vogels Persönlichkeit & Lebensstil
Bewusste Zurückhaltung
In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit wie eine Währung gehandelt wird, ist Giacomo Vogels Haltung fast schon rebellisch: Er möchte einfach nicht im Rampenlicht stehen. Sein Name taucht in der Öffentlichkeit fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Familie Vogel auf – und selbst das ist ihm sichtlich nicht wichtig. Anders als sein Vater steht er nicht vor der Kamera, sondern hinter dem Tresen. Als Gastronom in Berlin hat er sich seinen eigenen Platz in der Stadt geschaffen – ruhig, solide und authentisch.
Diese Zurückhaltung ist keine Schüchternheit. Es ist eine bewusste Entscheidung. Giacomo Vogel hat verstanden, dass Öffentlichkeit und Erfolg zwei verschiedene Dinge sind – und dass er beides getrennt voneinander anstreben kann.
Kein Interesse an der Schauspielerei
Wenn man den Sohn von Jürgen Vogel fragt, ob er je daran gedacht hat, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, kommt die Antwort ohne Zögern und mit einem Schmunzeln: Nein. „Wir haben kein Talent”, sagt Giacomo nüchtern über sich und seinen Bruder Ritchie – und meint das weder als Selbstkritik noch als Entschuldigung, sondern schlicht als ehrliche Einschätzung.
Das Interessante daran: Dieser Satz klingt nicht resigniert, sondern befreiend. Denn wer früh weiß, was er nicht will, findet schneller heraus, was er wirklich will. Und Giacomo wollte schon früh etwas ganz anderes.
Beruflicher Werdegang: Vom Kiez-Café zum Gastronomie-Unternehmer
Erste Schritte in der Gastronomie
Die Gastronomie hat Giacomo Vogel nicht plötzlich gefunden – sie war schon immer irgendwie da. Als er 15 Jahre alt war, jobbte er in genau dem Restaurant, in dem sein Vater einst als Schüler selbst gearbeitet hatte. Kartoffeln schälen, Gemüse schnippeln, anpacken – nicht aus Leidenschaft, sondern aus Notwendigkeit, denn das Taschengeld reichte für das Berliner Nachtleben schlicht nicht aus.
Doch in dieser Zeit entstand mehr als nur ein Nebenjob. Giacomo merkte, dass die Gastronomie etwas hat, das andere Berufe selten bieten: unmittelbares Feedback. Man macht jemanden glücklich, und man sieht es sofort. Eine formale Ausbildung im Gastro-Bereich hat er zwar nie absolviert – aber die Schule des Lebens hat ihn gut vorbereitet.
Gründung mit Bruder Ritchie
2012 war es dann so weit: Gemeinsam mit seinem Bruder Ritchie eröffnete Giacomo Vogel das erste eigene Café in Berlin. Kein Startkapital vom Vater, kein prominenter Türöffner – nur zwei Brüder mit einer Idee und dem Willen, es durchzuziehen. Giacomo selbst hat erzählt, was ihn dazu bewogen hat, mit Ritchie eines der ersten Frühstückslokale Berlins zu eröffnen: die Überzeugung, dass Menschen morgens einen Ort brauchen, der sich gut anfühlt.
Aus diesem ersten Café entstand ein kleines Gastronomie-Imperium – aufgebaut Schritt für Schritt, Lokal für Lokal.
Das Flaggschiff: „What Do You Fancy Love”
Der Name klingt verspielt und einladend – und genau das ist er auch. Das Café „What Do You Fancy Love” in der Knesebeckstraße unweit des Kurfürstendamms ist das Herzstück des gastronomischen Projekts der Brüder Vogel. Bekannt für seine kreativen Saftkreationen und eine entspannte Atmosphäre, zieht das Lokal regelmäßig prominente Gäste wie die Moderatorin Barbara Schöneberger oder den Fußballnationalspieler Jérôme Boateng an – ganz ohne dass Giacomo selbst dafür die Werbetrommel rühren müsste.
2017 eröffneten die Brüder direkt am Savignyplatz ihr drittes Lokal, das mit kreativen Getränken, hausgemachten Kuchen und veganen Optionen punktet. Das freundlich-gemütliche Ambiente mit türkisfarbenen Wänden, Marmortischen und viel natürlichem Licht macht es zu einem echten Treffpunkt im Berliner Westen.
Expansion nach Potsdam und weitere Lokale
Berlin war erst der Anfang. Mit der Zeit weiteten Giacomo und Ritchie ihr Netzwerk aus – bis nach Potsdam, wo sie ihr siebentes Lokal eröffneten. Einer der Auslöser für die Expansion war übrigens eine Idee aus der eigenen Familie: die Stiefmutter soll den entscheidenden Anstoß gegeben haben.
Zu den Betrieben der Brüder zählen neben den mehreren „What Do You Fancy Love”-Filialen auch Coffee Drink Your Monkey, Journey into the Night und A Never Ever Ending Love Story – Namen, die genauso ungewöhnlich sind wie das Konzept dahinter: bodenständig, herzlich und immer ein bisschen besonders.
Rolle des Vaters beim Start
Jürgen Vogel hat seinen Söhnen beim Start genau einmal geholfen – und das auf eine Art, die so sympathisch ist wie kaum eine andere Form von Unterstützung. „Als wir den ersten Laden aufmachten, musste er einen Monat lang täglich eine Stunde vor dem Haus sitzen, Kaffee trinken und nett aussehen”, erzählt Giacomo mit einem Grinsen.
Das war es. Kein Geld, keine Beziehungen, kein Telefonanruf beim richtigen Menschen. Nur ein Vater, der mit seinem Gesicht für seine Söhne wirbt – und damit zeigt, dass echte Unterstützung manchmal ganz leise ist.
Gastronomische Philosophie
Was treibt Giacomo Vogel an? Die Antwort ist denkbar einfach: In der Gastronomie kann man Menschen schnell glücklich machen – und dieses direkte Erfolgserlebnis hat ihn von Anfang an gepackt. Andere Branchen versprechen langfristige Wirkung, diffuse Resultate, abstrakte Ziele. Ein guter Kaffee zur richtigen Zeit hingegen trifft sofort.
Das spiegelt sich auch im Konzept seiner Lokale wider. Alle Gäste werden geduzt – das schafft Nähe, ohne aufdringlich zu sein. Die Lokale sind an 365 Tagen im Jahr geöffnet, denn gerade an Feiertagen, wenn andere zumachen, brauchen Menschen einen Ort zum Hingehen. Dieses Denken aus der Perspektive des Gastes, nicht des Betreibers, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Betriebe der Familie Vogel.
Das familiäre Ambiente ist kein Marketing-Trick. Es ist einfach das, was Giacomo kennt und mag: einen Ort, an dem man sich willkommen fühlt, ohne etwas dafür leisten zu müssen.
Privatleben & Öffentlichkeit
Giacomo Vogel führt ein Leben, das er selbst gestaltet – und dabei bleibt er bewusst im Hintergrund. Als Cafébetreiber übernimmt er eine wichtige Rolle im Kiez: Cafés sind in Berlin viel mehr als Orte zum Kaffeetrinken. Sie sind Treffpunkte, Nachbarschaftsorte, Räume für Gespräche und Begegnungen. Diese soziale Funktion nimmt Giacomo ernst – auch wenn er darüber nicht groß redet.
Privat hält er es genauso ruhig: Seine Freundin leitet einen der Läden in Berlin, eine seiner Mütter hilft bei der Buchhaltung. Familie und Beruf sind bei den Vogels keine getrennten Welten – sie fließen ineinander, so wie es in einer echten Patchwork-Familie nun mal ist.
Trotz des prominenten Nachnamens hat sich Giacomo Vogel nie darum bemüht, selbst eine öffentliche Figur zu werden. Er gibt selten Interviews, hat keine große Social-Media-Präsenz und taucht nur dann in der Berichterstattung auf, wenn sein Vater oder ein neues Lokal erwähnt wird. Diese Entscheidung, im Hintergrund zu bleiben, ist kein Zeichen von Zurückgezogenheit – sondern von Klarheit über die eigene Identität.
Fazit
Giacomo Vogel ist der lebende Beweis dafür, dass ein berühmter Nachname kein Schicksal ist. Als Jürgen Vogel Sohn hätte er viele Wege gehen können – aber er hat seinen eigenen gewählt. Mit Fleiß, einem Gespür für Menschen und einem echten Familiensinn hat er sich in der Berliner Gastronomie einen festen Platz erarbeitet, der ganz ihm gehört.
Sein Weg zeigt: Nähe zur Prominenz bedeutet nicht zwangsläufig, selbst im Rampenlicht zu stehen. Manchmal ist es gerade die Stille, die die lauteste Aussage macht. Giacomo Vogels Lebensentwurf ist bodenständig, authentisch und auf seine eigene Art bemerkenswert – weil er so vollständig selbstgewählt ist.
Wer das nächste Mal an einem der Cafés der Brüder Vogel in Berlin vorbeiläuft, weiß jetzt: Hinter dem Namen steckt mehr als ein bekannter Vater. Dahinter steckt eine Geschichte, die man sich verdient hat.
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